Kredite - Beratung und Vergleich

Am 7. Juli 2017 verabschiedete der Bundesrat der Neufassung des „Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/97 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Januar 2016 über Versicherungsvertrieb“, das in Fachkreisen besser unter dem Begriff „IDD-Umsetzungsgesetz“ bekannt ist. Das Kürzel IDD steht für Insurance Distribution Directive, also Versicherungsvertriebsrichtlinie. Der Hintergrund: Die seit 2003 gültige Versicherungsvermittlerrichtlinie 1 bildete die Grundlage für eine umfangreiche Regulierung der Vermittlung von Versicherungen. Ihr folgte die Versicherungsvermittlerrichtlinie 2 (IMD 2) aus dem Jahr 2014.

Das IDD-Gesetz soll wie von der EU-Richtlinie vorgesehen zum 23. Februar 2018 in Kraft treten.

Restschuldversicherungen als Sorgenkinder der Finanzaufsicht

Restschuldversicherungen werden immer dann abgeschlossen, wenn der Kreditnehmer sich selbst oder seine nächsten Angehörigen dagegen absichern will, dass im Falle seines Todes oder eines Verdienstausfalls durch Arbeitslosigkeit oder Erkrankung der aufgenommene Kredit nicht mehr bedient werden kann. Kommt es zu einem dieser Fälle, springt die Restschuldversicherung ein und übernimmt die Restschuld (Tod) oder die fälligen Raten (Krankheit, Arbeitslosigkeit). Auf diese Weise sichern sich beispielsweise zahlreiche Bauherren ab, um ihre Familie vor dem Verlust des Eigenheims zu bewahren, wenn sie selbst als Hauptverdiener ausfallen sollten.

Restschuldversicherungen sind jedoch in Verruf geraten. Kritiker bemängeln hier insbesondere, dass Verbraucher nicht darüber aufgeklärt werden, dass die hiermit versicherten Risiken bereits mit anderen Versicherungen abgesichert sind. Der Ruf dieser Versicherungsart leidet außerdem unter dem Vorwurf der viel zu hohen Provisionen, die die Banken von den Versicherungsunternehmen einstreichen und die deren Bereitschaft erhöhen, den Kreditnehmern dieses Finanzprodukt verstärkt anzubieten. Tatsächlich erbrachte eine im Juni 2017 veröffentlichte Studie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dass Versicherer in Einzelfällen Provisionen von über 70 % der Versicherungsprämie an die vermittelnden Kreditinstitute überwiesen hatten. Der Regelfall scheinen jedoch Provisionshöhen um etwa 50 % herum zu sein. Die auf der Befragung von 30 Versicherungsunternehmen und 31 Banken beruhende Untersuchung ging auch dem oft gehörten Vorwurf nach, dass Kreditinstitute ihren Kunden in vielen Fällen die Vergabe des Darlehens vom Abschluss einer Restschuldversicherung abhängig machen. Das Ergebnis macht nachdenklich: Immerhin ein Drittel der Banken verknüpft im Regelfall die Vergabe von privaten Krediten mit einer Restschuldversicherung. Alle anderen gaben an, diese Versicherung nur optional anzubieten. Sie führten jedoch an, dass der Anteil der Kreditverträge ohne diese Absicherung höher sei als der mit einer Versicherung. Bonitätsschwachen Kunden sei jedoch generell verdeutlicht worden, dass es ohne eine Restschuldversicherung für sie keinen Kredit geben würde.

Aber die Kritik reißt an dieser Stelle noch nicht ab: Die BaFin beanstandet die fehlende Transparenz hinsichtlich der Vertragsgestaltung. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen nicht etwa der Verbraucher, sondern die Bank der eigentliche Versicherungsnehmer ist, die die Versicherung auch vermittelt hat. Sie schließt dann eine Art Gruppenversicherung ab. Die Folgen: Beratungs- und Informationspflichten gegenüber dem Kunden gelten nicht und Kündigungs- und Widerrufsrechte greifen nicht.

Wird sich das neue IDD-Gesetz positiv für die Verbraucher auswirken?

Künftig sollen Kunden eine Woche nach dem Vertragsschluss ein Informationsblatt erhalten, das auf die Freiwilligkeit der Restschuldversicherung hinweist und verdeutlicht, dass diese innerhalb einer weiteren Woche widerrufen werden kann, ohne dass dadurch der Kreditvertrag gefährdet werden würde. Das Info-Blatt soll außerdem die genauen Kosten der Versicherung enthalten.

Das Echo fällt je nach Interessenlage unterschiedlich aus: Die neuen Regelungen gehen vielen Verbraucherschützern nicht weit genug. Sie bedauern die verpasste Chance, den Abschluss eines Kreditvertrags von dem einer Restschuldversicherung strikt zu trennen, um so für mehr Kundensicherheit zu sorgen.

Einzelne Versicherer beklagen jedoch bereits den Untergang der Restschuldversicherungen. Um den Ruf dieses Versicherungstyps zu retten, veröffentlichte die BNP Paribas Cardif im Februar 2017 eine Studie, die in Kooperation mit der Handelshochschule Leipzig erarbeitet wurde. Danach seien zwei Drittel der befragten Verbraucher vor dem Abschluss ausführlich beraten worden. Von denjenigen Kunden, die die Versicherung in Anspruch genommen hatten, haben sogar 84 % angegeben, dass sie mit der Leistungsbearbeitung zufrieden gewesen seien. Doch auch hier wurde ein Kundenwunsch deutlich, der sich in absehbarer Zeit nicht erfüllen wird: der nach der Entkoppelung der Restschuldversicherung vom Kreditvertrag. Den angeschlagenen Ruf dieses Versicherungstyps konnten diese Ergebnisse allerdings auch nicht mehr retten.

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